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Pandemie hat sich auf Exits bei PE-Fonds spürbar ausgewirkt

Untersuchung der HHL & FTI-Andersch

Fokus in der Krise lag auf Digitalisierung des Portfolios 

Die Pandemie hat Exit-Entscheidungen und Haltedauer von Private-Equity-Fonds im deutschsprachigen Raum erkennbar geprägt. In einer aktuellen Untersuchung der Unternehmensberatung FTI-Andersch und des Centers for Corporate Transactions and Private Equity (CCTPE) der HHL Leipzig Graduate School of Management haben 56 Prozent der befragten PE-Fonds angegeben, dass Covid19 die Entscheidung ‚stark‘ beeinflusst hat, bei vier Prozent sogar ‚sehr stark‘. Für die Zukunft rechnen 68 Prozent der Befragten damit, dass sich die Haltedauer verlängern wird (neun Prozent: stark verlängern).

  • Vorzeitige Exits zur Risiko-Minimierung haben kaum eine Rolle gespielt
  • 78 Prozent haben sich auf Digitalisierung und Produktivitätssteigerung fokussiert
  • Lieferketten-Optimierung sehen 87 Prozent als wichtigste Herausforderung der Post-Corona-Zeit an

39 Prozent der PE-Gesellschaften haben während der Pandemie-Monate ihren Portfolio-Unternehmen zusätzliche Gelder aus dem Fonds zur Verfügung gestellt. In 35 Prozent wurden Restrukturierungspläne an eine neue Haltedauer angepasst. Beschleunigte Exits zur Minimierung des Downside-Risikos, auch unter Inkaufnahme von Verlusten, haben nur bei neun Prozent der Unternehmen eine Rolle gespielt. Das Übertragen von Portfolio-Investments in einen Folgefonds (Roll-over) hat in vier Prozent der Fälle stattgefunden.

Für die nächsten zwölf Monate wird in den meisten Exit-Kanälen mehrheitlich Konstanz erwartet. Leichte Zunahmen sehen die PE-Fonds allerdings bei Börsengängen (IPOs, 36 Prozent), die Veräußerung an strategische Investoren und SPACs (jeweils 32 Prozent). 55 Prozent rechnen mit leichten Zunahmen an Verkäufen an andere Fonds (Secondary Buyout).

„Die Pandemie-Monate haben in der PE-Branche erkennbare Spuren hinterlassen“, sagt Dr. Martin Schneider, Experte bei FTI-Andersch für Private Equity und einer der Verfasser der Untersuchung. „Was sich in der Studie des vergangenen Jahres schon angedeutet hatte, wurde nun bestätigt: die Haltedauer hat sich vielfach verlängert. Die im letzten Jahr projizierte Anpassung der Wertsteigerungspläne ist damit vielfach notwendig geworden. Die PE-Gesellschaften haben in den vergangenen Monaten zudem aktiv ihre Portfolio-Unternehmen bei der Umsetzung von Maßnahmen zur langfristigen Erfolgssicherung begleitet.“

Fonds haben operative Maßnahmen mehrheitlich auf Digitalisierung und Produktivitätssteigerung fokussiert

Einen besonderen Fokus haben die Fonds gemeinsam mit ihren operativen Managements dabei auf Maßnahmen zur Digitalisierung und Produktivitätssteigerung gesetzt: Die Hälfte der Fonds haben daran ‚stark‘, 28 Prozent sogar ‚besonders stark‘ (insgesamt: 78 Prozent) gearbeitet. Weitere Punkte, auf die sich die Fonds konzentriert haben: die Optimierung des Working Capital (‚stark‘ bis ‚besonders stark‘: 67 Prozent), Kundenbindungsprogramme und -service (53 Prozent), Produktinnovationen und finanzwirtschaftliche Maßnahmen (jeweils 50 Prozent). Weniger stark wurde die Expansion in bestehende und neue Märkte vorangetrieben (37 Prozent) sowie Maßnahmen zur Qualitätssteigerung in den Mittelpunkt gerückt (32 Prozent).

Martin Schneider sagt: „Es ist erfreulich zu sehen, dass die Fonds nicht nur auf Kostensenkungs- und Einsparmaßnahmen gesetzt haben, sondern in ihren Portfolio-Unternehmen ganz bewusst Digitalisierung und Innovation gefördert haben. Damit hat eine signifikante Anzahl die Krise auch dazu genutzt, das eigene Portfolio noch zukunftssicherer zu machen – und damit potenziell wertvoller."

Ein Viertel der Fonds konnte sich unter Corona besser entwickeln als zuvor

Knapp jeder vierte Fonds (24 Prozent) hat angegeben, dass sich die eigenen Portfolio-Unternehmen während der letzten zwölf Monate sogar besser entwickelt haben als zuvor. Dabei haben sich vor allem das durch die Pandemie hervorgerufene veränderte Kunden- und Nutzerverhalten stark (45 Prozent) oder ‚besonders stark‘ (15 Prozent) positiv ausgewirkt. Auch das mobile Arbeiten ordnet die Hälfte der Fonds, bei denen es in der Pandemie besser lief, als starken (50 Prozent) oder sogar als ‚besonders starken‘ Erfolgsfaktor (5 Prozent) ein. 40 Prozent haben zudem angegeben, dass sich die gesellschaftlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, damit also auch der Lockdown, positiv auf sie ausgewirkt haben.

„Was wir bei den Fonds beobachten, bildet ein stückweit unsere Beobachtungen der Gesamtwirtschaft ab“, sagt Martin Schneider. „Nur eine – durchaus signifikante – Minderheit gewinnt. Und das vor allem, weil die Lockdown-Monate und das damit veränderte Nachfrageverhalten der Kunden einen positiven Schub für sie ausgelöst haben. Die Herausforderung für die Portfolio-Unternehmen dieser Fonds wird sein, auch in der Post-Corona-Zeit weiter ihre Performance zu halten.“

Zukünftige Schwerpunkte liegen auf Lieferketten-Optimierung und präventivem Krisenmanagement – mehr Kontrolle nur von einer Minderheit geplant

Als größte Herausforderung für diese Post-Corona-Zeit haben die befragten PE-Fonds die die Optimierung ihrer Lieferketten (87 Prozent) sowie ein Fokus auf präventives Krisenmanagement (83 Prozent) benannt. 57 Prozent der Fonds haben beobachtet, dass mindestens die Hälfte ihrer Portfolio-Unternehmen auf Herausforderungen in der Lieferkette gestoßen sind, bei jedem Vierten (26 Prozent) war es mehr als die Hälfte. Weitere Post-Covid-Themen: 50 Prozent setzen auf erhöhte Transparenz in der Stakeholder-Kommunikation, die Hälfte sieht Handlungsbedarf bei der Anpassung der Wertsteigerungspläne (siehe oben). Nur eine Minderheit (29 Prozent) will das Reporting der Portfolio-Unternehmen künftig enger und umfangreicher gestalten, um noch mehr Einblick in die operativen Management-Entscheidungen zu erhalten.

„Es ist ein gutes Signal, dass die PE-Fonds sich vor allem auf das Schaffen neuer Werte anstatt auf mehr Kontrolle konzentrieren wollen“, sagt Professor Dr. Bernhard Schwetzler, Inhaber des Lehrstuhls für Finanzmanagement und Banken an der HHL Leipzig, der diese Untersuchung wissenschaftlich geleitet hat. „Und dass sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, Prävention künftig deutlich zu intensivieren, um auf mögliche Bedrohungsszenarien der Zukunft besser vorbereitet zu sein. Als wir vor einem Jahr diese Untersuchung zum ersten Mal durchgeführt haben, war eine Annahme, dass die Fonds dem Management die Zügel deutlich straffer anziehen werden. Dass sie sich mehrheitlich gegen ein Mehr an Bürokratie entscheiden, ist ein Vertrauensbeweis und gibt sogleich die Möglichkeit, die echten Probleme zu lösen. Dass diese heute vor allem in den Lieferketten liegen, ist immanent: diese Problematik hat mittlerweile alle Branchen und damit auch die Portfolios der deutschen Fonds voll erfasst. Es bleibt abzuwarten, ob dies bereits ein weiterer Faktor sein wird, der zu einer erneuten Anpassung der Wertsteigerungspläne führen wird.“

 

Über die Studie:

Die Studie ‚Auswirkungen Covid-19 auf PE-Portfoliounternehmen 2021‘ ist in Zusammenarbeit zwischen der Unternehmensberatung FTI-Andersch und des Centers for Corporate Transactions and Private Equity (CCTPE) an der HHL Leipzig Graduate School of Management entstanden. Sie folgt einer Studie, die bereits im Jahr 2020 durchgeführt wurde.

Es konnten die Antworten von insgesamt 36 im DACH-Raum beheimateten PE-Fonds zu ihrer aktuellen Situation in der Coronakrise ausgewertet werden. Der Fokus lag auf PE-Fonds mit aktiven Portfolios mit mehr als zehn Unternehmen (61 Prozent, Mid-Cap). Die Umfrage wurde anonymisiert und mit standardisierten Fragen nach akademischen Standards durchgeführt. Leiter der Untersuchung sind Dr. Martin Schneider (Senior Manager) von FTI-Andersch sowie Prof. Dr. Bernhard Schwetzler, Inhaber des Lehrstuhls für Finanzmanagement und Banken an der HHL Leipzig.

 

Über FTI-Andersch:

FTI-Andersch ist eine Unternehmensberatung, die ihre MandantInnen in der Entwicklung und Umsetzung tragfähiger Zukunfts-/Performance- sowie Restrukturierungskonzepte unterstützt. FTI-Andersch unterstützt aktiv Unternehmen, die sich mit operativen oder finanzwirtschaftlichen Herausforderungen beschäftigen müssen – oder frühzeitig Geschäftsmodell, Organisation und Prozesse zukunftsfähig auszurichten möchten.

Zu den MandantInnen zählen insbesondere mittelständische Unternehmen und Konzerne, die international agieren. FTI-Andersch ist Teil der international agierenden FTI-Consulting-Gruppe (NYSE: FCN) mit mehr als 6.400 MitarbeiterInnen.

www.andersch-ag.de

 

Über das Center for Corporate Transactions & Private Equity (CCTPE):

Das CCTPE ist ein renommierter Think Tank für Private Equity Buyouts an der HHL Leipzig Graduate School of Management – einer der führenden Business Schools in Europa. Ziel des Think Tank ist es, qualitativ hochwertige Forschungsergebnisse zu fördern und eine Plattform für renommierte Wissenschaftler und Branchenexperten zu bieten. Das CCTPE wurde 2017 mit Hilfe der Unterstützung zahlreicher Institutionen ins Leben gerufen, u.a. durch FTI-Andersch, Astorius, AssetMetrix, CARLSQUARE, EY, Hauck & Aufhäuser, Nordic Capital, Palero Capital, Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom, The Boston Consulting Group und ValueTrust Financial Advisors.

https://www.hhl.de/de/fakultaet-forschung/research/kompetenzzentren/cctpe/